Chinesisch-Deutsches Hochschulkolleg: Frischer Pioniergeist

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Großes Gruppenbild zur CDHK-Jubiläumsfeier © DAAD/Sebastian Schobbert

Das Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg (CDHK) feierte in Berlin sein 20-jähriges Jubiläum. Dabei wurde deutlich: Das vom DAAD, dem Auswärtigen Amt und der Tongji-Universität in Shanghai ins Leben gerufene und bis heute getragene CDHK ist ein herausragendes Beispiel der internationalen Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit.

„Gemeinsam diskutieren, forschen, gestalten“ – das Motto für 20 Jahre Chinesisch-Deutsches Hochschulkolleg (CDHK) ist bezeichnend für die Dynamik, die ambitionierten Ziele und den Pioniergeist des Projekts in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Schon bei seiner Gründung als binationale Graduiertenschule im Jahr 1998 betraten die Tongji-Universität in Shanghai, das Auswärtige Amt und der DAAD gemeinsam Neuland, betonte Michelle Müntefering, Staatsministerin für internationale Kulturpolitik, zum Auftakt der Berliner Feierlichkeiten in ihrem Grußwort. „Damals begann ein spannendes politisches und akademisches Abenteuer.“ Heute sei das Chinesisch-Deutsche Hochschulkolleg ein Erfolgsbeispiel der internationalen Kultur- und Bildungspolitik. „Es ist Aushängeschild der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit.“

Eine dynamische Erfolgsgeschichte

Aus einem gemeinsamen Masterkolleg in deutscher Sprache sind in 20 Jahren zwölf Masterstudiengänge und zwei Promotionsprogramme mit Doppelabschluss in den Fachbereichen Maschinenbau, Fahrzeugtechnik, Elektrotechnik und Wirtschaftswissenschaften geworden. Zu Beginn war das gemeinsame Ziel, chinesischen Studierenden eine hochqualifizierte Fachausbildung nach dem Modell deutscher Technischer Hochschulen zu bieten – in enger Zusammenarbeit mit namhaften deutschen Unternehmen, die nach China expandieren wollten. Die chinesischen Nachwuchsfachkräfte sollten sich die deutsche Sprache aneignen und das Arbeits- und Wirtschaftsleben in Deutschland kennenlernen.

Inzwischen beteiligen sich, einschließlich der Partneruniversitäten für die vier Fachbereiche (die Technischen Universitäten Berlin, München und Braunschweig sowie die Ruhr-Universität Bochum), insgesamt 27 Hochschulen sowie das „Who is Who“ der deutschen Industrie mit insgesamt 20 Stiftungslehrstühlen an den Programmen des CDHK. Sie alle sorgen für eine bilinguale, praxisorientierte und exzellente Ausbildung chinesischer und zunehmend auch deutscher Studierender. „Diese intensive Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist immer noch sehr speziell in China“, betonte Professor Zhong Zhihua, Präsident der Tongji-Universität und Direktor des CDHK. Daher habe das CDHK seit seiner Gründung immer weiter an Bedeutung gewonnen, Modellcharakter erreicht und gehöre zu den Top 10 der chinesischen Bildungsinstitute in der chinesischen Auslandszusammenarbeit.

Zeugen gelingender Kooperation

Von den Karrierechancen und aus ihren beeindruckenden Lebensläufen erzählten in Berlin auch sechs Alumni des CDHK. Praxisorientierung und Laborarbeit nutzen dem Elektrotechniker Wang Tingjun für die Karriere als Spezialist im Innovationszentrum von BMW. Die Wirtschaftsprüferin Zheng Shuxin entschied sich, über das CDHK ins Ausland zu gehen – und arbeitet heute in Frankfurt am Main. „Und auch mir hat das Kolleg die Tür zur Welt geöffnet, obwohl ich anfangs durch meine Deutschprüfung fiel“, berichtete lachend die Elektrotechnikerin Liu Yubo. Ihre Chance verpasste sie dennoch nicht, denn sie profitierte von den internationalen Netzwerken des Kollegs und ist nun seit über zehn Jahren für Siemens tätig – in Shanghai, Mexiko und Berlin.

DAAD-Alumnus Xiang Qu profitierte nicht nur vom besonderen Geist des Projekts: Er selbst ist zu einem Pionier geworden. 2009 beendete er sein Studium der Fahrzeugtechnik am CDHK, ging an die Ruhr-Universität Bochum für einen Doppelmaster und arbeitet heute in Deutschland bei Audi als Fachbereichsleiter in der Technologieentwicklung der Produktion. Neue Werkstoffe und technische Revolutionen sind sein Metier. Am meisten schätzt er die Offenheit, die er am CDHK erfahren hat. „Sich für die anderen zu öffnen, bedeutet Respekt zu haben, und wenn man das aussendet, begegnet einem auch das Gegenüber mit Respekt.“

Der Maschinenbauer Shi Xiangqian plant heute bei Mercedes in Stuttgart neue Werke in der Welt – in China, den USA und Deutschland. Kurz vor dem Festakt wurde er zum ersten Vorsitzenden des neu gegründeten deutschen Alumnivereins des CDHK gewählt. In dieser Rolle will er seine positiven Erfahrungen an die junge Generation Studierender weitergeben, besonders die der „fokussierten deutschen Denkweise“. Von der chinesischen Denkweise wiederum erzählt demnächst wohl der deutsche Alumnus Karl Schmiedel begeistert am Lagerfeuer. „Denn mir sagte damals auch ein Alumnus des Doppelmasterprogramms am Lagerfeuer: Alle wollen in die USA – gehe du besser nach China, du wirst es nicht bereuen. Und ich habe es nicht bereut.“

Exzellente Fachkräfte und Weltbürger

Der Pioniergeist bleibt dem CDHK erhalten. Viel komme noch auf seine Träger zu, betonten die Festredner, so auch die Generalsekretärin des DAAD, Dr. Dorothea Rüland: „Internationalisierung heute ist extrem dynamisch und ändert sich sehr schnell.“ Weitere innovative Studienangebote stünden auf dem Programm, gewünscht sei vor allem ein Wachstumsschub in der Forschung, den Staatsministerin Müntefering konkretisierte: „Mit den aktuellen Forschungsschwerpunkten Digitalisierung, Industrie 4.0, Smart Cities und nachhaltige Gesellschaft ist das Kolleg Innovationstreiber und Dialogplattform für deutsch-chinesische Zukunftsthemen.“

Bei all dieser an den globalen Dynamiken orientierten Fachkompetenz darf die Bedeutung gegenseitiger Verständigung nicht vergessen werden. „Wir müssen noch viel mehr übereinander wissen“, sagte Dorothea Rüland. „Deswegen soll gerade auch die Chinakompetenz der deutschen Studierenden noch einmal erheblich erhöht werden.“ Und auch Professor Zhong Zhihua wünscht sich für die Zukunft, dass das CDHK seine Studierenden nicht nur zu hochqualifizierten und professionellen Arbeitnehmern für deutsche Firmen in China und chinesische Unternehmen in Deutschland ausbilde, „sondern auch zu verantwortlichen Weltbürgern, die ihren Beitrag zum gegenseitigen Verständnis leisten und unsere freundschaftlichen Beziehungen vertiefen“.

Bettina Mittelstraß (17. Mai 2018)

  • Prof. Dr. Christian Thomsen, Präsident der TU Berlin © DAAD/Sebastian Schobbert