Lennart Rott

Erfahrungsbericht zum Auslandssemester an der Tongji SEM/dem CDHK in Shanghai, China  

Ich hatte die Möglichkeit, im Sommersemester 2025 ein Auslandssemester an der Tongji Universität zu verbringen und möchte im Folgenden ein paar Eindrücke und Tipps zur Uni und zu meinen interkulturellen Erfahrungen schildern. Zu meiner studientechnischen Einordnung: Ich studiere im Master Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Bau an der Technischen Universität Braunschweig und war zum Zeitpunkt meines Aufenthalts im dritten Fachsemester.

Vorbereitung und Planung

Der Bewerbungsprozess startete durch die Abgabe meiner Top-3-Wünsche für ein Übersee- Auslandssemester an der TU Braunschweig Mitte November 2023, wobei ich die Tongji Universität Shanghai auf Platz 1 gerankt habe. Das Auswahlgespräch fand mit der zuständigen Koordinatorin für die Übersee-Auslandssemester und dem Programmkoordinator Non & Dual Degrees Dr.-Ing. Weijun Lu statt und ich bekam die Zusage für das Auslandssemester Anfang 2024. Gegen Mitte/Ende 2024 startete die Nominierung an der Tongji SEM und im November 2024 bekam ich die offizielle Zusage von der Tongji University.

Nachdem ich die Zusage der Tongji-Universität bekommen hatte, wurden mir der Admission Letter sowie das Visa Application Form ausgestellt. Mit diesen Unterlagen und den auf der Webseite der chinesischen Behörde genannten Dokumenten habe ich den Visumantrag auf der offiziellen Website gestellt. Nach der Prüfung der Dokumente konnte ich den Visumsantrag vor Ort im Visumcenter in Hamburg stellen. Nach einer Woche war das Visum ausgestellt und ich konnte meinen Reisepass wieder abholen. Grundsätzlich wird zwischen einem X1- und einem X2-Visum unterschieden. Das X2- Visum gilt für Aufenthalte bis zu 180 Tagen und war für uns relevant.

Zur Vorbereitung wurden uns im Vorfeld einige Dokumente zur Verfügung gestellt, die unter anderem Adressen zur Wohnungssuche enthielten. Für die Wohnungssuche gibt es die Möglichkeit, kostengünstig im International Student Dorm einen Platz zu bekommen. Hierbei teilt man sich zu zweit ein Zimmer und häufig auch mit einem weiteren deutschen Austauschstudenten. Uns konnte im Vorfeld in diesem Semester nicht gewährleistet werden, dass wir einen Platz im Student Dorm erhalten werden, weshalb ich versuchte, außerhalb des Campus ein WG-Zimmer zu suchen. Durch einen Kontakt eines anderen CDHK-Studenten bekamen wir die WeChat-Adresse einer Wohnungsvermittlerin, über die wir in Uninähe ein WG-Zimmer in einer 4er-WG erhalten konnten.

Preis-leistungstechnisch waren auf jeden Fall die „Studentenhotels“ am ansprechendsten, die auch in den im Vorfeld zur Verfügung gestellten Unterlagen aufgelistet waren. Leider waren die Buchungsprozesse im Vorfeld sehr unübersichtlich, weshalb ich davon abgesehen habe. Man hat aber für ca. 500 € eine Art Hotelzimmer in einem „International Student Hotel“ bekommen, in dem man für die Zeit alleine und sehr modern gewohnt hat. Meine Empfehlung ist es daher, die erste Woche über trip.com ein Hotelzimmer im baseLITE Huangxing Serviced Apartment zu buchen und vor Ort währenddessen diese Student Hotels für die Langzeitmiete anzufragen. Das war meines Wissens ohne Probleme möglich, auch wenn auf verschiedenen Internetseiten solche Unterkünfte schon als ausgebucht angezeigt wurden. Dieses „Hotel“ war ziemlich zentral gelegen und von der Uni auch gut mit dem Fahrrad erreichbar.

Bei Fragen aller Art war auch die vom CDHK zuständige Koordinatorin Frau LIU Xin eine sehr hilfreiche und liebenswerte Ansprechperson. Frau Liu hat alle Fragen sehr schnell beantwortet und war eine sehr große Hilfe im gesamten Prozess - vor allem auch nach der Ankunft vor Ort und der Organisation der Prozesse an der Uni.

Ein sehr bedeutsamer Punkt für meinen Aufenthalt war auch die finanzielle Förderung durch ein Stipendium des CDHK, für das ich sehr dankbar bin. Mitte Januar 2025 hatte ich die Zusage für diese Förderung erhalten, und dadurch, dass keine finanzielle Förderung durch die eigene Universität zugesichert wurde, hat mir dies viele Dinge erleichtert.

Fachliche Eindrücke

Mein Semester an der SEM der Tongji startete am 24.02.2025 und endete offiziell am 04.07.2025. Die Liste zur Kurswahl bekam ich Anfang/Mitte Januar 2025 von der SEM-International-Koordinatorin der Tongji. Die offizielle Wahl der Kurse an der SEM startete am 10.02. und endete am 21.02. Die Kursliste der SEM enthielt verschiedene Kurse im Bereich der Wirtschaftswissenschaften, von denen ich die Kurse Leadership and Organizational Behavior in China, Strategic Management and Entrepreneurship, Urban and Real Estate Development in China und Academic Lectures gewählt habe.

Im Anschluss und zu Beginn des Semesters hatte ich aber auch noch die Gelegenheit, verschiedene interkulturelle Kurse vom CDHK in Anspruch zu nehmen. Dabei habe ich mich für die Fächer „China im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne (Innovation)“ und „Mit dem Küchengott unterwegs: Eine Einführung in Chinas Kulinarikultur“ entschieden. Das Zusammenspiel der wirtschaftswissenschaftlichen Kurse und der dazu ergänzenden interkulturellen Kurse macht die Erfahrung am CDHK einzigartig und sorgt für ein zusätzliches „Über-den-Tellerrand-Schauen“.

Insgesamt würde ich die fachliche Ausbildung in den Kursen an der SEM als eine doch sehr andere Erfahrung als an den deutschen Universitäten beschreiben. Kurse sind nicht mit dem Ziel aufgebaut, am Ende des Semesters eine große Abschlussklausur zu schreiben, sondern das System ist eher auf Projektarbeiten und Abschlusspräsentationen ausgelegt. Dadurch kommt man etwas besser mit den anderen International Students in den Kursen der SEM in Kontakt und kann dadurch einige Kontakte knüpfen.

Ebenfalls wurde durch das CDHK ein Buddy vermittelt, den man im Vorfeld bzw. zu Beginn des Semesters per WeChat kontaktieren konnte. Das war auch eine super Möglichkeit, um sich zurechtzufinden, und man konnte alle Fragen loswerden, die aufkamen. Ich war mit meinem Buddy über das gesamte Semester in Kontakt, und wir haben oft gemeimsam gegessen bzw. etwas unternommen.

Interkulturelle Erfahrungen

Die interkulturellen Erfahrungen, die man innerhalb dieses Semesters macht, sind wirklich einzigartig und mit anderen Auslandssemestern nicht zu vergleichen. Die Stadt Shanghai ist sehr besonders und nicht die typische laute, unübersichtliche Stadt, wie man es sich vielleicht im ersten Moment vorstellt. Insgesamt habe ich mich sehr gut innerhalb der großen Metropole zurecht gefunden, was auf jeden Fall auch auf die sehr innovative Weise des Lebens in China zurückzuführen ist. Die Koordination vor Ort, das Einkaufen in Supermärkten, Restaurants, Malls und alle weiteren zum Leben benötigten Dinge sind innerhalb weniger Apps auf dem Handy geregelt. Diese zentrale und einfache Koordination hat einem das Leben vor Ort wirklich sehr einfach gemacht.

Die Navigation ließ sich sehr einfach über Apple Maps oder alternativ über AMaps durchführen. Bestellen und Bezahlen in Restaurants wurde durch die Apps Alipay und WeChat sehr einfach abgewickelt - dabei kam es zu keinem Zeitpunkt zu einer Sprachbarriere, da alles über QR-Codes bestellt und bezahlt wurde. Auch die Tickets für die ausgezeichnete Metro vor Ort wurden in den beiden Apps koordiniert. Das Buchen von Veranstaltungen und Unternehmungen konnte ebenfalls in den beiden Apps durchgeführt werden. Diese beeindruckende Innovation, was das alltägliche Leben betrifft, ist international kaum zu vergleichen.

Auch die Struktur des Campus der Tongji ist besonders und kennt man so nicht von Universitäten in Deutschland. Der Campus der Tongji-Universität ist sehr weitläufig und bietet neben Wohnheimen und Hörsaalgebäuden auch zahlreiche weitere Einrichtungen. Dazu zählen mehrere Mensen, eine Bibliothek, Sportanlagen, eine Laufstrecke, ein Schwimmbad, ein Fitnessstudio, kleine Supermärkte sowie Souvenirshops der Universität. Außerdem gibt es eine Vielzahl an studentischen Clubs, bei denen man sich anmelden kann, was eines meiner Highlights des Semesters darstellt.

Ich habe mich für die Fußball-Mannschaft der SEM angemeldet und konnte dabei Teil eines tollen Teams sein. Das Anmelden war nicht ganz einfach, da bloß drei internationale Spieler Teil des Teams sein konnten und man sich, um an solchen studentischen Vereinen teilnehmen zu können, bei der Organisation sehr ins Zeug legen musste. Über Kontakte habe ich den WeChat-Account eines Mitspielers und im Anschluss auch des Team-Organisators bekommen. Über diese beiden Kontakte konnte ich dann Teil des Teams werden. Wir haben gegen die anderen Studienbereiche der Universität in einem Turniersystem gespielt. Innerhalb der Gruppenphase im Wintersemester wurden die ersten Spiele durchgeführt und ich konnte im Sommersemester in der K.-o.-Phase beginnend mit dem Achtelfinale teilnehmen. Wöchentlich wurden dann die K.-o.-Spiele gespielt. Am Ende waren wir im Team der SEM dann so gut, dass wir das Finale gegen das Civil Engineering Department gewinnen konnten.

Diese einzigartige Gelegenheit, seinen Vereinssport aus Deutschland mit anderen internationalen und natürlich den chinesischen Studenten in einem relativ professionell organisierten Turnier fortzuführen und auf so viele nette, aufgeschlossene Leute zu treffen, ist wirklich sehr einzigartig. Dazu ist aber zu sagen, dass es zu Beginn ein großer Aufwand war, das Team und die Möglichkeit der Teilnahme zu finden. Trotzdem waren alle Personen, denen man in diesem Prozess per WeChat geschrieben hat, äußerst aufgeschlossen und haben einem sehr nett weitergeholfen, was ich so auch noch nicht erlebt habe. Ich habe nie ein „Nein, das geht nicht.“ als Antwort bekommen, sondern konnte immer an allen Sachen teilnehmen, zu denen ich Lust hatte. Die Aufgeschlossenheit der Leute ist wirklich einmalig und das wusste ich sehr wertzuschätzen. Aber es bedarf auch des „Auf-die-Leute-Zugehens“ und den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme zu machen.

Empfehlungen für zukünftige Studierende

Vorweg kann ich jedem nur empfehlen, diesen Schritt in ein sehr fremdes Land mit einer ganz anderen Kultur zu wagen. Die Menschen sind äußerst freundlich und ich habe zu keinem Zeitpunkt das Gefühl von Abneigung oder Ähnlichem gespürt. Wie schon beschrieben, war es für mich sehr besonders zu sehen, wie aufgeschlossen und freundlich die Leute vor Ort waren. Ich habe immer Hilfe bekommen, wenn ich danach gefragt habe – Und das ist auch schon mein größter Tipp an alle, die ein Auslandssemester in Erwägung ziehen. Das wichtigsten ist es aufgeschlossen zu sein und auf die

Leute zuzugehen Wenn man etwas unternehmen oder machen möchte, kann man immer einfach nachfragen.

Man muss schon sagen, dass die meisten dort lebenden Personen eher schüchtern sind und teilweise die Kommunikation auf Englisch etwas schwierig war. Jedoch liegt es meines Erachtens an einem selbst, ob man gut mit den Leuten in Kontakt kommt. Man braucht vor diesem Schritt auf keinen Fall Angst zu haben und kann immer mit Hilfe und einer freundlichen Antwort rechnen.

Diese Aufgeschlossenheit und Freundlichkeit der Leute, gepaart mit dem innovativen Leben in einem sehr weit fortentwickelten Land, waren die Punkte, die dieses Auslandssemester sehr besonders gemacht haben.

Lennart Rott
TU Braunschweig, 2025