Tee-Workshop im Zen-Garten

Am 31. März 2026 fand im CDHK-Chinakompetenz-Kurs bereits zum vierten Mal der Workshop „Einführung in die chinesische Teekultur“ statt. Geleitet wurde er von Prof. Dr. Volker Heubel, Sinologe, Philosoph, Tee-Experte und Professor am zur kulturwissenschaftlichen Fakultät gehörigen Philosophischen Institut der Tongji-Universität.

Neu war in diesem Semester der Veranstaltungsort: Der 2023 eröffnete Zen-Garten in Songjiang, wo Gastgeberin Li Na und Frau Jia Qi die Studierenden empfingen. Der Garten vereint ein historisches Gebäude, das original aus seiner Heimatstadt Suzhou hierher versetzt wurde, mit einem japanischen Landschaftsgarten. Der Name leitet sich aus einem Zitat des Daodejing von Laozi ab: „Höchste Güte ist wie das Wasser. Des Wassers Güte ist es, allen Dingen zu nützen, ohne Wettstreit.“

Nach einem geführten Rundgang durch das historische Gebäude gab Prof. Heubel einen Überblick über die Geschichte, die geistigen und materiellen Dimensionen chinesischer Teekultur. Im Anschluss erlebten die Teilnehmenden eine Teezeremonie und verkosteten zwei ausgewählte Teesorten (Silver Needle, Big Red Robe) – begleitet von klassischer Guqin-Musik, live gespielt vom Begründer des Gartens Herrn Li Guobin.

Im Gespräch während der Teeverkostung ging Herr Li zunächst auf die Geschichte der Griffbrettzitter Guqin und ihre kulturellen und philosophischen Gehalte ein, in deren Musik auch ein bestimmtes Verhältnis des Menschen zum Kosmos zum Ausdruck komme. Das Spielen auf der Guqin war neben dem Dichten, Malen, Kalligraphieren, Betrachten von Kunstgegenständen und dem Teetrinken ein wichtiger Bestandteil von „eleganten Treffen“ (yaji雅集) chinesischer Literaten im alten China. Eines der ausgewählten Qin-Stücke "Trauer um Yanhui (qi Yanhui泣颜回)", so erläuterte Herr Li,  bringt die Trauer des Konfuzius für seinen zu früh verstorbenen und wegen seines vorbildlichen Verhaltens besonders geliebten Schülers Yan Hui zum Ausdruck, an diesem Tag auch ausgewählt wegen des bald nahenden Totengedenktages (qingmingjie清明节).  

Vor dem Hintergrund dieser kulturellen Bezüge ging Herr Li auf die Gründung des Zen-Gartens ein, einer Non-profit Organisation und Stiftung, deren Hauptanliegen in der Förderung traditioneller chinesischer Kultur besteht. Gleichzeitig sei die Förderung des internationalen Austauschs ein zentrales Anliegen der Stiftung, durch die ein Beitrag zu kultureller Offenheit und Austausch,  zu Freundschaft und zum Frieden zwischen den Kulturen geleistet werden solle. Er brachte auch seine Wertschätzung gegenüber Deutschland zum Ausdruck, nicht nur hinsichtlich zahlreicher berühmter Philosophen, Gelehrter und Künstler, sondern auch hinsichtlich seiner technischen Errungenschaften. Sie beruhe auf zahlreichen Aufenthalten in Deutschland im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit als Unternehmer und damit verbundenen persönlichen Erfahrungen. Auch vor diesem Hintergrund empfahl Herr Li den Studenten, die Gelegenheit ihres Aufenthaltes zu nutzen, um die Vielfalt der Lebensweisen in China kennenzulernen.  

Prof. Heubel machte in dem Gespräch deutlich, daß die Besonderheit der Teekultur bzw. des Teeweges in einer umfassenden Kultivierung sinnlicher Wahrnehmung, des Schmeckens, Riechens, Sehens, Tastens und Hörens bestehe und sie, vergleichbar einem Gesamtkunstwerk, in enger Verbindung zu verschiedenen Künsten stehe: zu Dichtung, Malerei, Kalligraphie, Musik, Porzellankunst, Blumen- und Gartenkunst, zur Kunst des Duftes, des Essens und Trinkens und zur räumlichen Kunst der Architektur. Neben der individuellen Kultivierung liefere die Teekultur einen wichtigen Beitrag zu einer vertieften menschlichen Verständigung und einem friedlichen Umgang miteinander, was gerade in einer von Konflikten geprägten Zeit von herausragender Bedeutung sei.